Warum ich laufe…und laufe…und laufe…
Gerade findet wieder der legendäre Barkley Marathon statt, eines der härtesten und legendenumwobenen Ultra-Rennen der Welt. Fünf Runden durch unwegsames Gelände, insgesamt über 100 Meilen, ohne markierte Strecke und mit einem Zeitlimit, das nur die Allerhärtesten knacken. Kaum jemand schafft es ins Ziel – aber genau das macht diesen Lauf so faszinierend. Während ich schreibe, sind gerade noch 3 Läufer im Rennen. Im letzten Jahr hat zum ersten Mal eine Frau, Jasmin Paris (UK), das Rennen erfolgreich beendet. Der exzentrische Ausrichter des Rennens, Gary “Lazarus Lake” Cantrell, ist Legende. So wird das Rennen fast jedes Jahr schwerer, aber die Anmeldegebühr sinkt (und liegt gerade bei 1,60US $).
Ultrarunning ist für mich mehr als nur eine körperliche Herausforderung. Es ist eine Lektion in Resilienz, mentaler Stärke und der Kunst, die eigenen Grenzen immer wieder zu verschieben. Ultrarunning – also das Laufen von Distanzen jenseits des Marathons – klingt für viele nach purem Wahnsinn. Warum sollte jemand 50, 80 oder gar 160 Kilometer am Stück laufen? Und das ganze am besten noch kombiniert mit einer Zahl von Höhenmetern, die den höchsten Berggipfeln Konkurrenz macht? Die Antwort liegt nicht nur in der physischen Herausforderung, sondern vor allem in den mentalen und emotionalen Lektionen, die man dabei lernt. Ein Ultramarathon ist eine Reise – durch die Natur, durch Schmerz und Erschöpfung, aber vor allem zu sich selbst.
1. Resilienz: Leiden kommt, aber es geht auch wieder vorbei
Einer der größten Aha-Momente beim Ultralaufen ist die Erkenntnis, dass Schmerz und Erschöpfung nicht linear sind. Es gibt Phasen, in denen du dich unaufhaltsam fühlst – und Phasen, in denen du dir sicher bist, dass du gleich zusammenbrichst. Doch wenn du weitermachst, wenn du dich durchbeißt, erlebst du oft, dass es plötzlich wieder besser wird.
Diese Erkenntnis überträgt sich auf das Leben: Krisen und schwierige Zeiten sind nie dauerhaft. Wenn du weitermachst, dich anpasst und kleine Schritte setzt, wirst du irgendwann den nächsten Höhenflug erleben.
2. Die Kunst, eigene Grenzen zu verschieben
Jeder Ultralauf ist eine Konfrontation mit deinen eigenen Grenzen – aber auch mit der Entdeckung, dass diese Grenzen dehnbarer sind, als du dachtest. Nach 50 Kilometern fühlt sich jeder Schritt unmöglich an. Und doch schaffst du 60. Und 70.
Diese Erfahrung verändert, wie du auf Herausforderungen im Alltag blickst. Probleme, die früher unüberwindbar schienen, verlieren ihren Schrecken. Du weißt: Dein Körper und Geist sind zu mehr fähig, als du glaubst – wenn du ihnen die Chance gibst, es zu beweisen.
3. Ein neues Verständnis für Körper und Geist
Ultrarunning zwingt dich, in den Dialog mit dir selbst zu treten. Dein Körper gibt dir ständig Signale – über Erschöpfung, Flüssigkeitsmangel, Schmerzen. Wenn du diese Signale ignorierst, bezahlst du den Preis. Wenn du lernst, sie zu verstehen, kannst du deine Leistung optimieren.
Gleichzeitig merkst du, wie stark dein Geist deine Wahrnehmung beeinflusst. Ein positiver Gedanke kann dich durch ein tiefes Loch ziehen. Ein Moment der Selbstzweifel kann dir Energie rauben. Du lernst, dein Mindset bewusst zu steuern – eine Fähigkeit, die in jedem Lebensbereich unbezahlbar ist.
4. Ultrarunning als soziale Erfahrung: Allein laufen, aber nie einsam sein
Obwohl Ultralaufen oft als einsame Sportart gilt, ist es in Wirklichkeit eine der sozialsten Erfahrungen, die es gibt. Wer je einen Ultramarathon gelaufen ist, weiß, dass es nicht um Konkurrenz geht, sondern um gegenseitige Unterstützung.
An den Verpflegungsstationen feuert man sich an, teilt Snacks, gibt sich Mut zu. Läufer, die sich vorher nicht kannten, laufen Kilometer um Kilometer gemeinsam, sprechen über ihre Höhen und Tiefen, teilen still die Strapazen. Und selbst wenn du alleine unterwegs bist, spürst du die Verbindung – mit den anderen, mit der Natur, mit dir selbst.
Also alle Ultras laufen?
Ein Ultralauf ist mehr als nur eine sportliche Herausforderung – er ist eine Lektion fürs Leben. Er lehrt uns, dass wir widerstandsfähiger sind, als wir denken. Dass Krisen nicht ewig dauern. Dass wir unsere Grenzen immer wieder verschieben können. Und dass wir in den härtesten Momenten oft die stärkste Verbindung zu anderen Menschen spüren.
Nicht jeder muss einen Halb-, Marathon oder gar Ultramarathon laufen. Aber die Einstellung, die man dabei lernt – Durchhaltevermögen, Selbstkenntnis, mentale Stärke – die kann jede:r in seinem Leben gebrauchen. Man muss nur den Ort, die Aktivität oder richtige Gemeinschaft für sich finden, die einem hilft diese Lektionen zu spüren und zu erfahren. Gerade in Zeiten wie diesen heißt die Antwort nicht einigeln und isolieren, sonder gemeinsam hinaus in die Welt zu ziehen - selbst wenn der Anlass manchmal auf den ersten Blick völlig abwegig ausschaut. Kontaktieren Sie mich gern, wenn Sie ihre eignen Grenzen ausloten, oder gar verschieben wollen.